Tod & Trauer: Wie gehen wir eigentlich miteinander um?

Wie begegne ich jemanden, der trauert? Was kann ich eigentlich sagen? Wie verhalte ich mich, wenn jemand immer wieder über den Verstorbenen sprechen möchte? Und warum sollte ich mich manchmal zurückhalten, Geduld haben und die eigenen Grenzen kennen?

Tod & Trauer und unser Umgang damit

Der Tod ist uns Menschen absolut sicher. Wie die Geburt gehört der Tod zum Leben dazu. Jeder von uns wird früher oder später mit diesem Thema konfrontiert. Das wissen wir alle. Und doch haben wir meist Angst vor dem Thema Tod. Jeder auf seine Weise. Vor allem haben wir häufig Berührungsängste und Scheu, mit Angehörigen, Freunden und Bekannten umzugehen, die einen nahestehenden Menschen verloren haben.

Warum eigentlich? Ein wichtiger Grund liegt darin, dass die meisten von uns es schlichtweg nicht gewohnt sind, sich mit den Themen Tod und Trauer auseinanderzusetzen. Zudem löst „der Tod“ vielfach Emotionen ins uns aus, die wir zunächst nicht einordnen können oder die wir gar nicht damit verbinden. Aber wir können lernen, damit umzugehen – insbesondere damit, wie wir Menschen Trost spenden können, die um jemanden trauern. Ein paar Tipps, an denen Sie sich orientieren können:

Wie begegne ich jemandem, der trauert? Was kann ich eigentlich sagen?

Seien Sie empathisch und bleiben Sie Sie selbst! Gerade Trauernde haben ein gutes Gespür dafür, was ehrlich gemeint ist und was nur so dahingesagt wurde. Es ist vollkommen verständlich, wenn Sie selbst nicht wissen, was Sie zu einem Trauernden sagen oder wie Sie reagieren sollen, und Sie können das auch offen zeigen. Vermeiden Sie jegliche Floskeln wie „Das wird schon wieder“ oder „Kopf hoch“ und sagen Sie stattdessen so etwas wie „Ich bin gerade selbst überfordert und weiß nicht, was ich sagen soll oder wie ich Dir helfen kann.“ Oder „Mir fehlen gerade die Worte, ich kann gar nicht ausdrücken, was ich Dir gerne sagen würde.“

Nehmen Sie Menschen, die Sie näher kennen, ruhig einmal in den Arm. Körperliche Nähe kann Trost und Geborgenheit vermitteln. Bleiben Sie dabei aber so natürlich, wie mit Ihren Worten achten Sie darauf, ob Ihr Angebot bei Ihrem Gegenüber willkommen ist.

Und was ist mit Menschen, die mir nicht so nahe stehen?

Statt der traditionellen und auch ein wenig unpersönlich gewordenen Formel „Mein herzliches Beileid“ können Sie zum Beispiel gegenüber einer Nachbarin oder einer Bekannten einfach die Situation konkret benennen: „Ich habe gestern erst erfahren, dass Deine Mutter gestorben ist. Das tut mir sehr leid“.

Bei einem Arbeitskollegen, der beispielsweise eine Zeit lang nicht am Arbeitsplatz war, kann ein aufrichtig gemeintes „Schön, dass Du wieder da bist“ für den Anfang schon genügen. Sollte die trauernde Person Ihnen nicht sehr nahestehen, können Sie auch eine Karte schreiben und darin Ihre Anteilnahme ausdrücken und eventuell Ihre Unterstützung anbieten. Aber Vorsicht! Bleiben Sie auch hier immer ehrlich – vor allem zu sich selbst und sagen nur Dinge, die Sie auch wirklich einhalten können und wollen.

Wie verhalte ich mich, wenn jemand immer wieder über den Verstorbenen sprechen möchte?

Es ist völlig normal, dass Trauernde häufig und wiederholt von dem Verstorbenen und von den Erinnerungen an ihn erzählen möchten. Besonders die letzten Momente und Begegnungen, aber auch Anekdoten, gemeinsam erlebte Momente oder auch ungelöste Konflikte können dann wiederholt zur Sprache kommen. Fragen und Zweifel wie „Wieso habe ich das nicht gemerkt“ oder „Wenn ich etwas anders gemacht hätte“ sind dabei nicht ungewöhnlich.

Hören Sie hierbei geduldig zu und nehmen nichts davon persönlich. Wenn Sie eine Erzählung bereits kennen, seien Sie nachsichtig und weisen eventuell freundlich darauf hin, dass Sie die Geschichte bereits kennen. Fragen Sie sich zudem einmal selbst wie es war, als Sie vielleicht in einer Krise steckten, einen bösen Streit hatten, einen Konflikt nicht verstehen konnten oder gar Liebeskummer hatten. Erinnern Sie sich daran, wie wichtig es für Sie selbst war, darüber zu sprechen. Denken Sie daran, wie Sie wiederholt dieselben Fragen stellten, um die Situation akzeptieren zu können.

Erinnerungen miteinander teilen

Sie können es auch mit aktiven Fragen versuchen. Fragen Sie den Trauernden nach seinen Erinnerungen oder erzählen Sie doch selbst von einem Ihrer Erlebnisse mit dem Verstorbenen – so kann es auch für den Trauernden ein interessanter Denkanstoß sein, einmal die Perspektive zu wechseln.

Darüber hinaus tut es vielen Betroffenen gut zu wissen, dass auch andere Menschen den Verstorbenen in guter Erinnerung behalten. Jahrestage wie der Geburts- oder Todestag genutzt werden, um an den Verstorbenen zu denken – wir können diese Erinnerung gemeinsam mit den Angehörigen teilen und pflegen. Natürlich nur, wenn sie selbst auch das Bedürfnis danach haben und dazu bereit sind.

Meine Zurückhaltung, meine Geduld und meine eigenen Grenzen

Trauer ist keine Krankheit, sondern ein ganz natürlicher Lebensprozess. Sie verfliegt nicht wie die schlechte Laune am Morgen oder wie der Kopfschmerz nach einem stressigen Tag. Sie ist keine ansteckende Krankheit und kann auch nicht mit einer Tablette einfach „geheilt“ werden. Trauer ist fester Bestandteil des Lebens. Und allem voran: zutiefst menschlich.

Selbst wenn wir gerne nach gewisser Zeit in den „Normalzustand“ zurückkehren möchten, hinterlässt der Tod eines geliebten Menschen immer eine Lücke die niemand, absolut niemand schließen kann. Die Trauer nach einem Verlust dauert in der Regel mehrere Jahre. Nicht selten ein Leben lang. Wie schnell oder wie langsam der Trauerprozess voranschreitet, ist bei jedem Trauernden anders. Vermeiden Sie also jede Bewertung der Situation, vermeiden Sie Druck und unterlassen Sie jede abwertende Aussage – auch wenn Sie die Situation selbst nicht nachvollziehen können.

Hilfsangebote mit Bedacht

Bei aller Anteilnahme sollte man sich niemals aufdrängen. Trauernde haben das Recht, ein Hilfsangebot abzulehnen – das sollte man niemals persönlich nehmen. Trauernde können sich immer mal wieder, auch nach Jahren, zurückziehen und haben manchmal einfach nicht die Kraft, sich auf einen Anruf zurückzumelden, oder wollen niemandem zur Last fallen. Der eine oder andere kann sich vielleicht auch gar nicht vorstellen, dass es Hilfe für ihn gibt.

Es geht immer um die Bedürfnisse der Trauernden. Das kann schon bei einem Einkauf, einer Reparatur oder der Kinderbetreuung beginnen. Wichtig ist, dass die Trauernden selbst bestimmen, was sie gerade brauchen. Natürlich ist auch für Sie als Mittrauernde die Situation nicht einfach. Sie sollten sich darüber im Klaren sein und nichts versprechen, was Sie nicht halten können. Am besten können Sie helfen, wenn Sie einfach Sie selbst sind.

Stephanie Tamm

 

Quellen:
Paul, Chris: Keine Angst vor fremden Tränen! Trauernden begegnen. 4. Auflage. Gütersloher Verlagshaus, 2018. ISBN: 978-3-579-07303-3

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Auf der anderen Seite

Bestatter gelten als Experten im Umgang mit Tod und Trauer. Sie kümmern sich um alle organisatorischen Dinge, geben Ratschläge und sind auch ein Stück weit Begleiter der Angehörigen in der schwierigsten Phase ihres Lebens. Doch vom Umfeld der Familie und Freunde bekommen sie häufig nicht so viel mit. Dies ändert sich schlagartig, wenn sie selbst betroffen sind, wenn sie plötzlich auf der anderen Seite stehen. Selbst Angehöriger oder Freund sind. Wenn sie selbst von Trauer betroffen sind. Was bringt ihnen dann ihr Wissen um den Tod und alles drumherum? Trauern sie anders? Hier erzählt Timo Krüger von seinen Erfahrungen.

“Was berührt, das bleibt.”
(Enno Bunger)

Es war ein Freitagmorgen im November 2017, als der Anruf kam. Nils war dran. „Lena ist tot“. Ich bin Bestatter. Ich bekomme jeden Tag Anrufe von Angehörigen, die mir mitteilen, dass jemand verstorben ist. Ich weiß, was dann zu tun ist. „War der Arzt schon da?“ „Möchten Sie, dass wir sofort vorbeikommen, um die Überführung durchzuführen?“ „Wir benötigen folgende Papiere von Ihnen:“ 

Doch diesmal war alles anders. Lena war meine beste Freundin. Über ein Jahr kämpfte sie gegen die Leukämie. Zwei Jahre, in denen sie und ihr Mann Nils Untragbares zu tragen hatten. Zwei Jahre, in denen sie aus allen Wolken fielen und trotzdem immer wieder aufstanden. 

Zwei Jahre voller unglaublich schwerer Zeiten und gleichzeitig voller unglaublicher Leichtigkeit, Liebe und Hoffnung.  Lena war der positivste Mensch, den ich kannte. Lena suchte – und fand – immer in allem einen Sinn. Lena war davon überzeugt, dass jeder Mensch auf Erden eine Aufgabe zu erfüllen hätte, bevor er geht.

“Jeder Mensch auf Erden hat eine Aufgabe zu erfüllen”

Ihre noch junge Beziehung zu Nils hätte an der Krankheit zerbrechen können. Stattdessen schöpften beide Kraft daraus. Heirateten sogar. Man kann sich vorstellen, dass es einfach eine superemotionale und tolle Hochzeit für die Beiden und alle Beteiligten war.

Und jetzt, nur ein paar Monate später, der Anruf von Nils. Wir hatten erst vor ein paar Wochen telefoniert, als klar wurde, dass Lena den Kampf am Ende verlieren könnte. Er rief für Lena an und fragte mich irgendwas Rechtliches zur Bestattung. Die beiden gingen auch dieses Thema offensiv und nach vorne gerichtet an. Lena kämpfte bis ganz zuletzt. Bis klar war, dass es für sie keine Hoffnung mehr gab. Danach… akzeptierte sie die neue Situation und machte das Allerbeste daraus, wie sie es immer tat. Sie sorgte dafür, dass sie zuhause, im Kreise ihrer Familie, sterben konnte. Sie diktierte ihrer Mutter Abschiedsbriefe an ihre Familie und an ihre engsten Freunde. Sie besprach mit Nils, wie sie sich ihren Abschied wünschte. Und sie fragte mich, ob ich mich um die Bestattung kümmern könnte. Natürlich könnte ich. Mehr noch, ich wollte es auch unbedingt. Es ist mein Beruf. Trotzdem möchte ich keine Familienmitglieder und Freunde bestatten. Weil ich möchte, dass es ihnen gut geht. Aber ich weiß auch, dass wir alle irgendwann und irgendwie von dieser Welt gehen. 

Und dann ist das Einzige, was ich noch tun kann, einen guten Abschied zu gestalten. Ich kann die wirklich allerletzten Wünsche erfüllen. Darum wollte ich es unbedingt. Um Lena den Abschied zu ermöglichen, den sie sich gewünscht hat.

Und nun war es also soweit. Nils rief an. Ich war selbst betroffen. Musste aber meinen Job weitermachen und mich um alles kümmern, was nun eben mal zu tun ist. Lena war in Osnabrück bei ihren Eltern verstorben. Also musste ich mich um die Überführung kümmern. 

In dem Moment zahlte es sich mal wieder aus, tolle Kollegen zu haben. Zwei meiner Kolleginnen fuhren ohne zu zögern los nach Osnabrück, um Lena abzuholen. Ich wollte dann später nachkommen, hatte vorher noch eine Rede bei einer anderen Beisetzung zu halten. Der Arbeitstag verging für mich wie in einem Nebel. Bevor wir Lena abholten, zogen Nils und ihre Mutter ihr ihre Kleidung an, die sie sich selbst ausgesucht hatte. Sie wuschen sie und cremten sie ein. Am Vormittag kamen dann noch alle Freunde und Nachbarn zu ihr nach Hause, um sich von Lena zu verabschieden. Ich kam Freitag Abend bei ihren Eltern an. Da war sie schon von zu Hause abgeholt worden. Es war seltsam für mich, sie nicht noch einmal dort gesehen zu haben. Aber momentan wohl das Beste. Ich weiß nicht, ob ich es in diesem Moment verkraftet hätte.

Normalerweise komme ich zu Angehörigen und berate sie zu allen Fragen der Bestattung. Jedes Gespräch ist anders, nichtsdestotrotz sind im Grunde immer dieselben Fragen zu klären. Ich versuche, möglichst viel davon anzusprechen, damit wir dann auch anfangen können, die Wünsche der Familie umzusetzen. Manchmal geht das nicht auf einmal. Dann komme ich noch einmal mal wieder. Wenn es nötig ist, auch zwei-, drei-, oder viermal.

Bei Lenas Eltern merkte ich das erste Mal, wie schwierig es in dieser Situation ist, irgendwelche Entscheidungen zu treffen. Zum einen, weil unglaublich viel entschieden werden muss. Zum anderen aber auch, weil jede Entscheidung etwas Endgültiges hat. Welche Bestattungsart? Wann soll die Trauerfeier sein? Und so weiter. Jede Antwort macht dir bewusst, dass du nichts zurückdrehen und revidieren kannst. 

Dass du nun Entscheidungen treffen musst, die du nie treffen wolltest. Dass der Tod uns nicht fragt, ob er uns gerade in den Kram passt. Ich blieb das ganze Wochenende. Wir klärten ein paar Fragen, entschieden ein paar Dinge, schweiften ab in Anekdoten und Erinnerungen, gingen spazieren, lachten, weinten.

Am Montag ging es dann los mit den Formalitäten. Das Standesamt hatte geöffnet, die Friedhofsverwaltung war erreichbar. Ich musste mich um die Sterbeurkunden kümmern, einen Ort und einen Termin für die Trauerfeier finden. 

Dabei wurde mir bewusst, wie sperrig unsere Bestattungsgesetze teilweise sind. Das wusste ich zwar auch schon vorher, wurde mir als Betroffenen aber nochmals viel deutlicher. Fristen mussten eingehalten werden, was die Terminfindung für die Trauerfeier nicht einfacher machte. Außerdem kam die Bestattungspflicht für Urnen zum Zuge, die Familie hätte sich hier gerne mehr Freiheiten gewünscht.

“Am Tag der Trauerfeier funktionierte ich einfach”

Montagabend fuhr ich schließlich zurück nach Hamburg, um mich um die Trauerkarten zu kümmern. Die Trauerfeier fand eine Woche später an einem Montag in Osnabrück statt.
Zu diesem Termin fuhr ich mit meinen Kolleginnen wieder nach Osnabrück. Die Trauerfeier selbst war für mich keine Gelegenheit, Abschied zu nehmen. Ich funktionierte an diesem Tag einfach. Denn ich musste mich ja darum kümmern, dass nichts schief läuft.

Heute denke ich jeden Tag an Lena. In unzähligen Situationen, bei bestimmten Liedern. Oft frage ich mich, was sie mir wohl geraten hätte. Lena war nämlich eine unschätzbare Ratgeberin. Sie half immer, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Sie hatte die Gabe, scheinbar komplizierte Sachverhalte genau auf den Punkt zu bringen, in einen Satz zu komprimieren, den man so auch in jedes Poesiealbum hätte schreiben können. Immer an der Grenze zum Kitsch, aber doch immer auch so wahrhaft. Das fehlt mir heute. 

Wenn ich an die Zeit ihrer Krankheit und an ihren Tod zurückdenke, so mache ich das heute in Frieden. Lena hat nichts unausgesprochen zurückgelassen. Lena hat ihre wenigen Tage auf der Erde mit unglaublich viel Leben gefüllt.

Lena hat ihren Frieden mit ihrem Schicksal gemacht und dafür gesorgt, dass es auch ihre Familie und Freunde tun können. Außerdem hat es mir dabei geholfen, meinen Beruf besser zu machen. Ich weiß heute wirklich selbst, was es bedeutet, einen so wichtigen Menschen für immer zu verlieren. Und wie wichtig ein guter Abschied ist. Und das Leben, welches wir vorher leben. Wie wir es leben. Worauf es ankommt. Was wichtig ist.

Der Musiker Enno Bunger, in dessen Band Lenas Mann Schlagzeuger ist, hat diese Zeit in seinem neuen Album verarbeitet. Der Titel lautet „Was berührt, das bleibt“. Treffender hätte Lena es nicht selbst sagen können. Lena hat berührt. Mich und alle, die sie kannten. Und darum ist sie nie fort. Solange wir noch da sind, bleibt sie bei uns.

Timo Krüger

Dieser Beitrag stammt aus unserem Hausmagazin “Seelenfrieden”.

Trauer und Trauerbewältigung: Fünf hartnäckige Mythen der Moderne

Ein Verlust bedeutet immer starke emotionale Belastung und Trauer verläuft in Phasen? Spätestens nach einem Jahr ist die Trauerzeit vorbei und man muss sich unbedingt emotional von dem Verstorbenen trennen? Ein Beitrag dazu, zähe Mythen zu entkräften.

Es existieren viele Trauerformen und -konventionen nebeneinander und es lässt sich schlichtweg nicht sagen, welcher Umgang mit Trauer „normal und gesund“ oder „nicht normal und ungesund“ ist. Vielleicht existieren auch gerade deshalb zum Teil einseitige und gänzlich falsche Annahmen zu Trauer und Trauerverarbeitung.

Einige dieser Annahmen und Mythen haben sich in den Köpfen vieler Menschen festgesetzt und gehören sozusagen zum gesellschaftlichen Regelwerk. Fünf der vielleicht hartnäckigsten Trauer-Mythen greifen wir hier auf und zeigen, dass es sich um unzutreffenden Ansichten, Klischees oder auch Stereotypen handelt:

Mythos Nr. 1: Eine Verlusterfahrung geht immer mit einer intensiven emotionalen Belastung einher. Trauer muss dann „rausgelassen“ werden, sonst wird man krank.

Es wird häufig angenommen, dass ein Verlust unvermeidlich immer ein großes Ausmaß an Verzweiflung und emotionaler Belastung hervorruft. Fehlt solch eine „richtige“ Trauerreaktion, wird in unserer Gesellschaft leicht ein pathologischer Zustand vermutet. Dabei wird oft davon ausgegangen, dass Trauer zwangsläufig zu einem späteren, meist unerwarteten Zeitpunkt auftaucht und zu problematischen Entwicklungen führt.

Die Trauerforschung kann das nicht bestätigen. Längst nicht alle Menschen erleben den Trauerschmerz gleich intensiv. Niemand muss zwangsläufig durch „das Tal der Tränen“ gehen, um später normal weiterleben zu können. Zudem sollten wir uns auch keine Sorgen machen, wenn wir unserer Trauer nicht unmittelbar nach dem Verlust Ausdruck verleihen können oder nicht so tief betroffen sind, wie wir womöglich glauben, sein zu müssen.

Weinen gehört dazu – und Freude empfinden nicht?

Weinen wird häufig als typische emotionale Reaktion auf eine Verlusterfahrung wahrgenommen. Doch Traurigsein und Weinen sind längst nicht die einzigen Trauergefühle: Häufig kommen Angst, Ärger, Wut, Sehnsucht und auch Scham hinzu. Nichts selten ist jemand in Trauer gar nicht in der Lage, seine Gefühle (bewusst) zu erleben. Man ist sozusagen emotional völlig überschwemmt und manchmal auch erst nach längerer Zeit fähig, die eigenen Empfindungen wahrzunehmen.

Trauer ist immer individuell, sie ist weder statisch, noch folgt sie einem konkreten Ablauf. Die Bandbreite möglicher Gefühlsreaktionen reicht in der Trauer von leichter Betroffenheit bis hin zum psychischen Ausnahmezustand. Auch ist es eine Fehlannahme, wenn wir davon ausgehen, dass eine Verlusterfahrung die Fähigkeit verringert, Freude zu empfinden. Keine Freude mehr zu zeigen und nicht mehr zu lachen, hat bedauerlicherweise viel eher mit (vermeintlichen) kulturellen Normen zu tun und weniger mit dem persönlichen Verlust.

Mythos Nr. 2: Trauer muss „durgearbeitet“ werden – ohne „Trauerarbeit“ geht es nicht

Es ist grundsätzlich sinnvoll, sich nach einer Veränderung im Leben emotional damit zu beschäftigen und darüber zu reflektieren. Doch der Begriff „Trauerarbeit“ wird meist mit der Annahme in Verbindung gebracht, dass Menschen sich bewusst mit (schmerzhaften) Trauergefühlen und Gedanken auseinandersetzen müssen, damit sie „bearbeitet“ und überwunden werden können.

Auch hier existieren in Fachkreisen gegenteilige Erkenntnisse:  Es lässt sich nicht belegen, dass Menschen, die sogenannte Trauerarbeit leisten, ihren Verlust besser verarbeiten als diejenigen, die ihre Gefühle eher unterdrücken.

Es ist vielmehr so, dass ein stetiger Wechsel zwischen bewusster Trauer und einer Orientierung auf neue Lebensziele als günstigste Strategie gilt. Sich also immer mal wieder von seiner Trauer ablenken, um sich auf das Leben einzustellen zu können, das vor einem liegt – ähnlich wie Kinder es können und in aller Regel ganz von selbst tun.

Eine Konfrontation mit der eigenen Trauer ist hingegen nur dann sinnvoll, wenn jemand den Schmerz über eine längere Zeit aktiv vermeidet, sich gar in Illusionen verliert und den Verlust nicht akzeptieren kann. Solch ein Zustand sollte dann auch professionell begleitet werden.

Mythos Nr. 3: Trauer verläuft in Phasen

Die immer noch weit verbreitete Annahme, dass Trauer in einer festen Abfolge von Phasen verläuft, ist schlicht überholt. Viele Trauernde erleben zweifelsfrei Zustände, die solchen Phasen entsprechen und die Existenz dieser Phasenmodelle kann zumindest als grobe Orientierungshilfe dienen. Anstelle eines gradlinigen Ablaufs erleben viele Trauernde allerdings eher das Hin- und Herpendeln zwischen verschieden Gefühlslagen und eigenen Aspekten und Themen im Leben, die durch den Verlust betroffen sind.

Die größte Schwäche der Theorie der Trauerphasen besteht jedoch darin, dass sie Normen setzt und Trauernden, Angehörigen und potentiell Helfenden völlig falsche Vorstellungen davon vermittelt, wie Trauer und Trauerbewältigung verlaufen – oder zu verlaufen haben.

Mythos Nr. 4: Die Zeit der Trauer ist begrenzt und ungefähr nach einem Jahr abgeschlossen

Die Auffassung, Trauerzeit ließe sich über eine bestimmte Zeitspanne definieren, hält sich hartnäckig. Das sogenannte Trauerjahr gab es schon im antiken Römischen Reich, ist allerdings lediglich eine gesellschaftliche Norm und hat wenig mit tatsächlicher Trauer und Trauerbewältigung zu tun.

Mittlerweile ist sich auch die Trauerforschung einig, dass Trauerreaktionen deutlich länger andauern können, als ein Jahr. Vielmehr trauern Menschen besonders nach einem schweren Verlust wie z. B. des Ehepartners oder des eigenen Kindes nicht selten noch viele Jahre, Jahrzehnte oder ein ganzes Leben lang.

Das bedeutet nicht, Trauergefühle wären stetig gleichbleibend. Sie verändern sich im besten Fall, werden weniger und werden Teil des eigenen Lebens. Damit gilt es nochmals zu betonen: Trauer ist eine individuelle Angelegenheit und hat viele Gesichter. Und gerade deshalb dürfen Aussagen darüber keine Zeitvorgaben enthalten oder vermitteln.

Mythos Nr. 5: Man muss sich emotional von dem Verstorbenen trennen

Die vermeintliche Notwendigkeit, sich nach dem Tod eines Menschen emotional von ihm lösen zu müssen, beruht auf der lange Zeit vorherrschenden Lehrmeinung, dass fortbestehende Bindungen zum Verstorbenen langfristig pathologisch sind. Inzwischen wird jedoch immer mehr anerkannt, dass Hinterbliebene ein ganz natürliches Bedürfnis haben, fortwährend eine Bindung aufrecht zu erhalten – allerdings sollte dies auf bestimmte Art und Weise geschehen:

Die Beziehung zu einem geliebten Menschen ist nach dessen Tod nicht einfach vorüber. Daher ist es wichtig, die Beziehung neu zu definieren. Eine enorm wichtige Funktion von Trauer ist es nämlich, die gemeinsame Zeit mit dem Verstorbenen in die eigene Biographie zu integrieren – die Vergangenheit und das Jetzt anzuerkennen, als etwas, das nun zu einem gehört.

So eine Neudefinition der Beziehung schützt auch davor, dass extreme emotionale Belastungen, wie z. B. ungeklärte Konflikte mit dem Verstorbenen oder gar traumatische Erfahrungen durch möglicherweise dramatische Todesumstände, immer wieder das Bewusstsein überfluten. Zudem hilft diese Neudefinition der Beziehung dabei, offen für neue Bindungen zu sein oder zu werden, positive Aspekte für das Leben danach zu erkennen und sich auf diese einzustellen.

Das Erleben eines Verlustes erfahren viele Menschen immer noch und viel zu häufig als widersprüchlich zu den eigenen Vorstellungen und dem, was die Gesellschaft vermeintlich von ihnen erwartet. Gesellschaftliche Rituale helfen zwar dabei, individuelle Gefühle zu fassen und in sozial akzeptierte Bahnen zu lenken. Doch sie dürfen nicht reglementierend sein und auch nicht Handlungen und Verhalten bewerten oder vorgeben. All das schadet Trauernden grundsätzlich – ein wichtiger Grund, das Wissen über Trauer-Mythen in die Welt zu tragen.

Stephanie Tamm

 

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Quellen:

GEO WISSEN (2013): „Trauer ist der Preis für die Liebe. Ein Psychologe erklärt, warum man dem Schmerz Zeit geben muss.“ Interview mit Hansjörg Znoj. S. 109-113.

Hansjörg Znoj (2015): „Trauer und Trauerbegleitung in der Palliativmedizin. Symptomatologie der Trauer, irreführende Vorstellungen und moderne Mythen.“ ARS MEDICI 1/2015, Rosenfluh Publikationen AG, S. 40-44.

Den eigenen Trauerprozess als Heilungsaufgabe begreifen

Trauern ist eine zutiefst menschliche Reaktion auf den Verlust eines Menschen. Doch was tut gut in Zeiten der Trauer? Wie kann man seine Trauer äußern? Und was hilft dabei, die eigene Erinnerung an den Verstorbenen in das eigene Leben zu integrieren?

Auf viele der Fragen rund um den Prozess der Trauer gibt es keine universellen Antworten. Trauer kann sich auf verschiedenste Art und Weise ausdrücken. Dabei gibt es kein Richtig und kein Falsch. Was dem Einen gut tut, kann für den Anderen undenkbar sein. Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg finden, wie er mit dem Verlust eines geliebten Menschen umgehen kann. Es gibt jedoch „Strategien“ und „Konzepte“, die Trauernden ein Rüstzeug an die Hand geben, mit der Trauer leben zu lernen und auch wieder aus ihr heraus zu finden.

Unterstützung bietet zum Beispiel das Konzept der „Trauer-Aufgaben“ des amerikanischen Psychotherapeuten J. William Worden, der den Prozess der Trauer mit dem körperlichen Heilungsprozess nach einer Krankheit (Trauer braucht Zeit) und mit dem Wachstumsprozess eines Kindes (Trauer fördert neue Fähigkeiten) vergleicht. Trauer macht es erforderlich, sich mit der Verlusterfahrung und den eigenen Gedanken zu konfrontieren und die veränderte Welt – ohne den geliebten Verstorbenen – neu zu strukturieren.

Vier „Trauer-Aufgaben“

Oftmals hilft es trauernden Menschen, wenn sie begreifen, was sie selbst aktiv dafür tun können, die Zeit der Trauer besser zu überstehen. In diesem Sinne liegt dem Trauermodell nach Worden die Ansicht zugrunde, dass der Prozess der Trauer aus vier elementaren Aufgaben besteht, die der Trauernde zu bewältigen hat:

Anfangs geht es darum, den Verlust eines geliebten Menschen überhaupt zu begreifen und als Realität zu akzeptieren. Erst wenn einem bewusst ist, dass die betreffende Person nicht nur vorübergehend „abwesend“, sondern tatsächlich tot ist, kann die Trauerarbeit beginnen.

Dann geht es darum, den Verlustschmerz zuzulassen, der sich häufig in zwiespältigen Gefühlen äußert – und das über einen unbestimmten Zeitraum. Trauer kann neben der buchstäblichen Traurigkeit nämlich ganz unterschiedliche Gefühle hervorrufen: Wut, Ärger oder Angst. Aber auch Erleichterung, Sehnsucht oder Begehren und viele mehr. Dabei benötigen all diese Gefühle Ihren Platz. Ambivalenz ist hier „normal“ – und auch, dass innerhalb der Familie, des Freundes- oder Bekanntenkreises alle unterschiedliche Gefühle zu verschiedenen Zeiten haben können. Wichtig ist, von anderen nicht zu erwarten, dass sie das Gleiche fühlen, wie man selbst.

Die dritte wichtige Aufgabe besteht darin, zu lernen, sich an eine Welt ohne den Verstorbenen zu gewöhnen – sich in einem völlig veränderten Leben zurechtzufinden. Trauernde fühlen sich manchmal bodenlos, wissen nicht, wie das Leben ohne die betreffende Person weitergehen kann. Das rührt vielfach daher, dass erst viel später klar wird, welche Rollen der Verstorbene inne hatte oder welche Aufgaben er erfüllte. Arbeiten müssen dann neu verteilt, Rituale überdacht oder gar die Wohnung ausgeräumt werden.

Was kann also dabei helfen, sich selbst auf einen neuen Lebensabschnitt einzulassen und dem Verstorbenen einen bestimmten Ort darin zuzuweisen? Darin besteht die letzte der vier „Trauer-Aufgaben“ nach Worden: Wenn akzeptiert wird, dass der Verstorbene wirklich tot ist, kann ihm ein neuer „Platz“ zugewiesen werden. Er sitzt dann nicht mehr wie sonst auf der Veranda in seinem Schaukelstuhl oder kocht die leckere Lasagne, die immer zusammen mit den Kindern verspeist wurde. Stattdessen wird die geliebte Person emotional neu „verortet“ und damit an einem neuen Ort vorstellbar – im eigenen Herzen, im Foto auf dem Kamin, auf dem Friedhof an der großen Eiche oder gar im Himmel.

Dieser Platz kann ganz individuell sein und sich auch wieder ändern. Wichtig ist nur, dass es ein Platz ist, den man (gedanklich) besuchen und auch wieder verlassen kann.

Trauer ist ambivalent – und positiv beeinflussbar

In Zeiten der Trauer sind viele Gefühlsreaktionen unvorhersehbar. Wichtig ist hierbei das Wissen um diese Ambivalenz und die Auseinandersetzung damit im Sinne einer Selbstreflexion: Wie beeinflusst der Tod des geliebten Menschen den eigenen Lebensalltag, das Selbstbewusstsein, die eigenen Werte oder Glaubensvorstellungen?

Es braucht häufig Zeit und Geduld, doch der Trauerprozess kann helfen, herauszufinden, was einen wirklich ausmacht und wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen – abgekoppelt vom vorherigen Leben mit dem Verstorbenen.

Daraus können ganz neue Erkenntnisse erwachsen: Was beispielsweise konkret getan werden kann, um die eigene Entwicklung zu fördern. Wie man einen selbstständigen Lebensweg findet, sei es durch eine Ablösung von „alten“ Gewohnheiten mit dem Verstorbenen oder durch die Übernahme einer Aufgabe, die sonst der Verstorbene innehatte.

Auch unabhängig vom Trauermodell nach Worden spielen Aspekte immer eine wichtige Rolle, die den Trauerprozess positiv beeinflussen: ein stabiles Selbstwertgefühl, ein geregelter Tagesablauf, Rückzugsmöglichkeiten und ein gutes soziales Umfeld, in dem Gespräche mit Familie oder Freunden möglich sind. Nicht zuletzt eine persönliche Einstellung zum Leben, die Halt gibt – sei es der Glaube an Gott, an die eigene Spiritualität oder an ein bestimmtes Lebensmotto.

Im besten Fall kann die Verlusterfahrung zur persönlichen Weiterentwicklung genutzt werden, in der die Erinnerung an die verstorbene Person ihren festen Platz besitzt, ohne zu viel Raum im Lebensalltag des Trauernden einzunehmen.

Stephanie Tamm

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Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerbegleitung (BAT)

Wie mit Trauernden umgehen?

Im Umgang mit Trauernden herrscht oft große Unsicherheit: Was soll man sagen? Darf man fragen, wie es der trauernden Person geht? Oder sollte man das Thema lieber meiden? Und was ist zu tun, wenn von dem Verstorbenen erzählt wird? Eine Hilfestellung.

„Herzliches Beileid“ als Ausdruck offener Anteilnahme – oder wie kann man sonst seine Betroffenheit zum Ausdruck bringen? Das ist in der Tat nicht einfach, denn sein Beileid bekunden erfordert auch immer Feingefühl.

Wenn ein Bekannter, Verwandter oder Freund um jemanden trauert, wissen viele Menschen nicht, wie sie mit dem Trauernden umgehen sollen. Was tun und was äußern? Manche Menschen sind so sehr verunsichert, dass sie lieber gar nichts sagen oder der betroffenen Person einfach aus dem Weg gehen – nicht etwa aus Bosheit, sondern häufig vielmehr aus Hilflosigkeit und der Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu tun.

Natürlich gibt es keine Patentlösung für DIE richtigen Worte oder DAS richtige Verhalten. Doch es gibt einige Dinge, die es besser zu vermeiden gilt und einiges, was stattdessen sinnvoll ist:

Die passenden Worte finden und Unterstützung anbieten

Insbesondere bei der ersten Begegnung mit Trauernden kann es schwer fallen, die richtigen Worte zu finden. Wenn Sie unsicher sind und nicht wissen, wie Sie ihre Anteilnahme ausdrücken sollen, dann können Sie genau das auch sagen. Allerdings sollten Sie Floskeln wie „Die Zeit heilt alle Wunden“, „Du muss jetzt stark sein“ oder „Ich weiß genau, wie es Dir jetzt geht“ lieber vermeiden. Hilfreicher sind ehrlich gemeinte Sätze wie: „Sein Tod geht mir auch sehr nahe. Ich möchte Dir gerne helfen, weiß aber nicht wie. Sag mir, was ich für Dich tun kann“. Auch wenn Ihre Worte nicht perfekt sind, wird Ihre aufrichtige Anteilnahme ankommen.

Trauernde brauchen gerade Menschen, die aushalten können, dass sie traurig sind und ihnen auch das Gefühl geben, dass sie traurig sein dürfen. Bedauert zu werden vermittelt niemanden ein gutes Gefühl und wirkt eher „klein machend“ anstatt zu stärken. Statt zu bemitleiden, ist es daher sinnvoll, lieber Mitgefühl zu zeigen und seine Unterstützung anzubieten. Überlegen Sie, was Ihr Freund, Verwandter oder Bekannter sonst gerne tut. Trauernde sind oftmals erleichtert, wenn Sie vorschlagen, gemeinsam etwas zu unternehmen.

Manchmal sind Trauernde auch wie gelähmt und zeitweise nicht in der Lage, die simpelsten Dinge zu regeln. Sie können dann Ihre praktische Hilfe anbieten: Schlagen Sie vor, etwas zusammen anzugehen oder erklären Sie sich bereit, den Papierkram zu erledigen oder den Hund auszuführen. Manchmal sind auch schon viel elementarere Dinge hilfreich – den Einkauf besorgen, etwas Kochen oder einen gemeinsamen Spaziergang an der frischen Luft unternehmen.

Bewusstes Erinnern und Kontakt halten

Auch wenn es Außenstehende zuweilen verunsichert – Trauernde möchten häufig von ihrem geliebten Menschen erzählen. Trauer braucht ihren Platz und das eben auch in der Sprache. Daher tut es vielen Betroffenen gut, wenn andere sich offen zeigen und von ihren eigenen Erinnerungen an den Verstorbenen erzählen. Solche persönlichen Geschichten, Fotos, Videos oder auch alle anderen denkbaren Erinnerungsstücke sind für Trauernde ein wertvoller Erinnerungsschatz – und das oft das ganze Leben lang. Daher tut es gut zu wissen, wie sehr auch andere den Verstorbenen geschätzt haben und was sie mit ihm erleben durften.

Aufrichtige Anteilnahme und herzliche Fürsorge sollte nach der Beisetzung nicht enden. Halten Sie Kontakt zu Ihrem betroffenen Freund oder Bekannten. Fragen Sie vorsichtig nach, wenn Sie länger nichts von ihm gehört haben, verabreden Sie sich zu einem Treffen oder schreiben Sie eine nette E-Mail oder schöne Karte zu bestimmten Anlässen.

Trauer ist schwerste körperliche und seelische Arbeit. Den Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen auszuhalten ist ungemein kräftezehrend und erschöpfend. Lassen Sie sich also nicht entmutigen, wenn Ihre Einladung nicht gleich angenommen wird. Haben Sie etwas Geduld mit Ihrem Gegenüber. Zuweilen braucht es etwas Zeit, bis der Trauernde sich nach außen hin öffnet. Nehmen Sie Absagen also nicht persönlich.

Natürlich sind alle Menschen unterschiedlich in ihren Reaktionen und in ihrem Erleben von Trauer. Auch existieren die verschiedensten Mittel und Wege Trauer zu bewältigen. Jeder Trauernde muss jedoch seinen eigenen Weg gehen und vielleicht auch erst herausfinden, was ihm gut tut. Und das erfordert immer etwas Zeit und vor allem Geduld.

Wenn Sie absolut nicht sicher sind, was Sie sagen können oder ob sie das Richtige tun – dann fragen Sie den Betreffenden doch einfach mal. Er wird ihnen antworten und sagen, was er empfindet und benötigt.

Stephanie Tamm

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